MIND Museum, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Kirstine Mengel
MIND Museum, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Kirstine Mengel
1.7.2026

Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen

Architektur als Erzählung im MIND Museum

 

MIND Museum – Dänemarks Psychiatriemuseum wird in einem ehemaligen psychiatrischen Patientengebäude aus dem Jahr 1888 auf dem historischen Krankenhausgelände Teglgårdsparken in Middelfart eingerichtet. Das Museum wird Dänemarks größte Sammlung psychiatriehistorischer Artefakte beherbergen und die Geschichte der psychischen Gesundheit, der Behandlung und der Fürsorge durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsarbeit beleuchten.

 

Die von C.F. Møller Architects entworfene Transformation bewahrt den historischen Charakter des Gebäudes und führt gleichzeitig zeitgemäße Museumsfazilitäten ein. Das Projekt basiert auf der Idee, dass die Architektur selbst zum Museumserlebnis beitragen soll und den Besuchenden die Möglichkeit gibt, der Geschichte der Psychiatrie in den Räumen zu begegnen, in denen sie sich entfaltet hat.

MIND Museum, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Kirstine Mengel

Warum war es wichtig, das bestehende Gebäude umzuwandeln, anstatt ein neues Museum zu schaffen?

Das Gebäude ist untrennbar mit der Geschichte verbunden, die das Museum erzählen möchte. Es wurde ursprünglich als Teil eines der größten psychiatrischen Krankenhäuser Dänemarks erbaut und enthält physische Spuren des sich wandelnden Denkens über psychische Gesundheit, Behandlung und Fürsorge. Ein Neubau hätte das Museumsprogramm beherbergen können, hätte aber niemals dieselbe Authentizität oder Verbindung zum Ort bieten können.

 

Wie hat das bestehende Gebäude den Entwurfsprozess beeinflusst?
Wir begannen damit, die architektonische DNA des Gebäudes zu verstehen. Die Korridorstruktur, die Patientenzimmer, die räumliche Hierarchie und der materielle Charakter spiegeln alle das ursprüngliche Denken hinter der psychiatrischen Versorgung im späten 19. Jahrhundert wider. Anstatt eine neue organisatorische Logik aufzuzwingen, entschieden wir uns, mit diesen Qualitäten zu arbeiten und sie das Besuchererlebnis leiten zu lassen.

MIND Museum, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Kirstine Mengel

Das Projekt wird oft als Museum beschrieben, in dem das Gebäude selbst Teil der Ausstellung wird. Was bedeutet das?

Viele Museen erzählen Geschichten über Orte. Im MIND Museum ist der Ort selbst Teil der Geschichte. Die Besuchenden lesen nicht einfach über die Geschichte der Psychiatrie – sie bewegen sich durch Räume, in denen diese Geschichte stattgefunden hat. Die Architektur wird zu einem Kommunikationsmedium neben Objekten, Bildern und Ausstellungen.

 

Wie sind Sie mit den historischen Schichten des Gebäudes umgegangen?
Wir betrachteten das Gebäude als eine Sammlung von Geschichten, die sich über die Zeit angesammelt haben. Die ursprüngliche Architektur von 1888, die Modernisierung des Krankenhauses in den 1970er Jahren und die neuen Museumsinterventionen repräsentieren alle wichtigen Kapitel im Leben des Gebäudes. Anstatt das Gebäude auf einen einzigen Zeitpunkt zu restaurieren, wollten wir, dass diese Schichten sichtbar und lesbar bleiben.

MIND Museum, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Kirstine Mengel

Wie entscheiden Sie, was erhalten und was verändert werden soll?
Transformation ist immer eine Frage der Priorisierung. Wir konzentrieren uns darauf, zu identifizieren, was architektonischen, kulturellen und erlebnisbezogenen Wert schafft. Einige Elemente sind wesentlich, weil sie die Geschichte des Ortes erzählen. Andere können angepasst werden, um neue Nutzungen zu unterstützen. Das Ziel ist nicht, alles zu erhalten, sondern das zu bewahren, was wichtig ist.

 

Welche Rolle spielen die neuen Interventionen?
Zwei architektonische Interventionen spielen eine besonders wichtige Rolle im Museumserlebnis. Die erste ist eine neue Haupttreppe, die die Besuchenden vom Foyer ins Erdgeschoss führt. In der Foyerwand wurde eine Öffnung geschaffen, die einen Sitzsockel bildet und Blicke zur Kasse und zur MINDwalk-Treppe freigibt. Die zweite Intervention ist die MINDwalk-Treppe selbst, die das Erdgeschoss mit dem Untergeschoss und in Zukunft mit den ehemaligen Verbindungstunneln unter dem Krankenhauskomplex verbindet, in denen MINDwalk geplant ist. Zusammen schaffen diese Interventionen neue räumliche Verbindungen und Erlebnisse und verstärken gleichzeitig die museale Erzählung über den Geist, das institutionelle Leben und die verborgenen Geschichten unter dem Krankenhaus.

 

Was können Transformationsprojekte vom MIND Museum lernen?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass bestehende Gebäude nicht als Einschränkungen betrachtet werden sollten. Sie enthalten kulturelles Gedächtnis, räumliche Qualitäten und materielle Ressourcen, die zu Treibern von Innovation werden können. Oft ist die wirkungsvollste architektonische Idee nicht das, was wir hinzufügen, sondern das, was wir enthüllen.

Rune Bjerno Nielsen, partner & architect, C.F. Møller Architects - Q&A mit Partner und Architekt Rune Bjerno Nielsen - C.F. Møller. Photo: Mew

Über Rune Bjerno Nielsen
Rune Bjerno Nielsen ist Partner und Architekt MAA bei C.F. Møller Architects. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Transformation, adaptive Wiedernutzung und denkmalgerechte Projekte in kulturellen, öffentlichen und gewerblichen Gebäudetypologien.

 

Beim MIND Museum hat Rune Bjerno Nielsen die architektonische Entwicklung des Projekts geleitet, mit dem Schwerpunkt darauf, wie die räumlichen Qualitäten, historischen Schichten und die kulturelle Bedeutung des Bestandsgebäudes durch zeitgenössische Architektur aktiviert werden können. Das Projekt ist Teil der übergreifenden Arbeit von C.F. Møller Architects zur Transformation als Mittel zur Verlängerung der Lebensdauer, Relevanz und des Wertes bestehender Gebäude.

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